
Letzte
Hilfe – offen über das Sterben reden
können
Das
Lebensende und Sterben unserer Angehörigen, Freunde und
Nachbarn macht uns oft hilflos, denn uraltes Wissen zum
Sterbegeleit ist mit der Industrialisierung schleichend
verloren gegangen.
Nur ca. 5%
der Menschen sterben zu Hause, darin sind Alten-und Pflegeheime
schon mit eingerechnet.
Was wir
Menschen am dringendsten brauchen, sind andere Menschen, die
uns in schweren Zeiten und in dieser letzten großen Lebenskrise
begleiten.
Schon Henry
Dunant, der Begründer der Internationalen Rotkreuz- und
Rothalbmond-Bewegung hat Sterbenden auf dem Schlachtfeld
beigestanden. Dort leistete er sowohl Erste Hilfe als auch
Letzte Hilfe. In einem Bericht heißt es: ”Dunant versuchte nach
besten Kräften zu helfen. Er kniete neben schwer Verwundeten,
die ihn anflehten an ihrer Seite zu bleiben, bis zu ihrem
letzten Atemzug, damit sie nicht alleine sterben
sollten.”
Eine Hand zu
reichen erfordert nur ein bisschen Mut und Wissen. In einem
Letzte Hilfe Kurs wird beides vermittelt.
Am 11. April
fand ein solcher Letzte Hilfe Kurs im Haus des Gastes in
Krempel statt. Eingeladen hatte der SoVD-
Ortsverband Lunden. Zwei erfahrene Hospiz- und Palliativ
Mitarbeiter vom Freundeskreis Hospiz Dithmarschen eV. in
Meldorf, Frau Bergmann und Frau von Maydell, führten kompetent
und ruhig durch dieses schwierige Thema.
Der Kurs war
eingeteilt in vier Module:
1. Sterben
ist ein Teil des Lebens
2. Vorsorgen
und Entscheiden
3. Leiden
lindern
4. Abschied
nehmen
Auch die 5
W-Fragen gehörten zum Kursinhalt:
1. Wann
beginnt das Sterben?
2. Was
passiert beim Sterben?
3. Wie
können wir sterbende Menschen unterstützen und
begleiten?
4. Wo können
wir uns hinwenden, wenn professionelle Unterstützung benötigt
wird?
5. Welche
Fragen können sich stellen, wenn wir uns selbst auf unser
Lebensende vorbereiten wollen?
Im Kurs
wurde über die Normalität des Sterbens als Teil des Lebens
gesprochen. Es wurden auch die Themen Patientenverfügung,
Bankvollmacht und Vorsorge-voll¬macht
angesprochen.
Mögliche
Leiden als Teil des Sterbeprozesses und wie wir sie lindern
können wurden ebenso thematisiert wie der Umgang mit den
schwereren, aber auch den leichteren Stunden. Gemeinsam wurde
erarbeitet, wie man Abschied nehmen kann, welche Möglichkeiten
aber auch welche Grenzen es gibt.
Vermittelt
wurde Basiswissen, Orientierung und einfache Handgriffe.
Den
Teilnehmern war nach dem Kurs klar:
Sterbebegleitung ist
keine Wissenschaft, sie ist nicht nur in der Familie möglich,
sondern auch in der Nachbarschaft. Durch dieses Grundwissen
sollten wir befähigt und ermutigt sein, uns Sterbenden zuwenden
zu können.
Denn
Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten
brauchen.
Wann ist nun
der richtige Zeitpunkt im Leben, an einem Letzte Hilfe Kurs
teilzunehmen?
Jetzt,
sofort, immer, heute — wer einen Erste-Hilfe-Kurs vor einer
Verletzung gemacht hat, weiß sich besser zu helfen. Beim
Letzte- Hilfe-Kurs funktioniert das ebenso, er geht jeden etwas
an und jeder kann mitmachen.
Sterben zu
verschweigen, macht keinen Sinn und belastet alle. Besser ist
es, frühzeitig einander einzubeziehen, nichts zu verheimlichen,
Gefühle zu zeigen und offen füreinander zu sein.
Wer unvorbereitet und hilflos vor der Situation einer Sterbebegleitung steht, kann jederzeit über die Rufnummer
04832- 55000
des
Freundeskreis Hospiz Dithmarschen Hilfe erhalten.
Irmgard
Fleig
